Wichtige Begriffe rund um die Händigkeit

 

Auf dem Gebiet der Händigkeit gibt es oft Missverständnisse, weil Bezeichnungen unterschiedlich verwendet oder gedeutet werden. Es kann sein, dass Sie in den Medien oder in Publikationen zu diesem Thema widersprüchliche Inhalte finden oder dass Sachverhalte anders bezeichnet werden. Händigkeit ist nach wie vor ein Forschungsbereich, in dem vieles noch ungeklärt ist. Deshalb gibt es auch häufig neue Erkenntnisse dazu. Ich versuche, mein Fachwissen aktuell zu halten und möglichst geläufige Begriffe zu verwenden. Im Zweifelsfall fragen Sie einfach bei mir nach.

 

Händigkeit

Die Händigkeit ist Teil der Lateralität. Mit Lateralität wird die Dominanz einer Körperseite bezeichnet, die bei allen paarweise vorhandenen Organen erkennbar ist (es gibt auch Füßigkeit, Äugigkeit etc.). Die Händigkeit ergibt sich aus der gegenüberliegenden dominanten Gehirnhälfte und wird von dieser gesteuert. So ist bei rechtshändigen Menschen die Gehirndominanz links und bei Linkshändigen die dominante Gehirnhälfte rechts. Die Hirndominanz wird bereits vor der Geburt festgelegt und lässt sich auch durch eine Umschulung nicht verändern.

 

Umgeschulte Händigkeit

Eine umgeschulte Händigkeit liegt vor, wenn man entgegen der natürlichen Händigkeit agiert und anspruchsvolle Tätigkeiten mit der nichtdominanten Hand ausführt. Die Umschulung betrifft meist linkshändige Menschen*, welche zum Gebrauch der rechten Hand angehalten werden oder sich selbst dafür entscheiden. Dies geschieht häufig aufgrund gesellschaftlicher Vorurteile aber auch wegen kultureller und religiöser Zwänge. In seltenen Fällen auch nach Unfällen oder Krankheiten, welche den Gebrauch der dominanten Hand unmöglich machen.

 

Je anspruchsvoller die umgeschulte Tätigkeit ist, desto gravierender sind in der Regel die Umschulungsfolgen. In der Fachliteratur ist mit "Umschulung" hauptsächlich die Umschulung der Schreibhand gemeint, weil diese den schwerwiegendsten Eingriff darstellt. Tatsächlich ist es auch so, dass die Umschulung linkshändiger Menschen vor allem das Schreiben und den Gebrauch von Werkzeugen (z. B. Besteck, Instrumente, Maschinen) betrifft. Viele andere Tätigkeiten erledigen sie weiterhin mit links. Man spricht deshalb auch von "Teilumgeschulten".

 

*Umgeschulte Rechtshändigkeit kommt sehr selten vor und geschieht meist bewusst, etwa weil die dominante Hand nicht eingesetzt werden kann. Auch in diesen Fällen kommt es zu Umschulungsfolgen.

 

Sogenannte Beidhändigkeit

Manche Menschen glauben, dass sie beidhändig sind, weil sie für einige Tätigkeiten die rechte und für andere die linke Hand benutzen. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Phänomen um einen wechselnden Handgebrauch. Echte Beidhänder müssten jede Handlung mit rechts und links in der gleichen Qualität durchführen können. Wechselt man aber die Führungshand bei anspruchsvollen Tätigkeiten, erledigt man immer einen Teil davon mit der nichtdominanten Hand. Deshalb leiden auch Menschen mit wechselndem Handgebrauch unter Umschulungsfolgen. Menschen, die sich für beidhändig halten, sind in der Regel teilumgeschulte Linkshändige. Diese Annahme resultiert daraus, dass es für Rechtshänder:innen normalerweise keine Gründe gibt, den Handgebrauch zu wechseln, für Linkshänder:innen hingegen schon.

 

Rückschulung der Händigkeit

Die Rückschulung (auch: Seitenwechsel) ist ein Prozess, bei dem versucht wird, eine umgeschulte Händigkeit zu revidieren. Die dominante Hand wird trainiert, damit sie ihre Führungsaufgabe wieder wahrnehmen kann. Hauptsächlich geht es hierbei um die Rückschulung der Schreibhand, aber man kann auch das Spielen eines Musikinstruments und andere Tätigkeiten rückschulen.

 

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